Bis dass der Tod uns scheidet

Der schönste Tag im Leben – glücklich verliebt gibt man sich vor dem Traualtar das Ja-Wort. Doch die Verliebtheit der ersten Jahre verblasst im Laufe der Zeit und der Alltag kehrt ein: Stress im Job und Kinder, die bald nach der Hochzeit Einzug im Eheleben erhalten. Auch wenn einem klar war, dass diese Dinge irgendwann kommen würden – so hatte man es sich nicht vorgestellt. Und man fragt sich, wie eine Ehe ewig halten kann.

In der Tat gibt es einige Faktoren, die die Dauer einer Ehe oder auch einer Beziehung positiv begünstigen. Spontan mag man vielleicht vermuten, dass es wichtig ist, dass man gut zusammenpasst oder glücklich mit dem Partner ist. Aber diese Parameter scheinen im alltäglichen Leben sowie bei der Entscheidung, das restliche Leben ohne den Partner verbringen zu wollen, kaum einen Einfluss zu haben. Stattdessen scheint es fast taktisches Kalkül zu sein, dass Menschen an ihren Beziehungen festhalten lässt.

Kirchliche Hochzeiten sind out?

Die Zahl der kirchlichen Trauungen ist rückläufig. Nur bei etwa jeder vierten Ehe wird der Bund der Ehe vor Gott geschlossen. Hierfür mag es viele Gründe geben. Vielleicht ist man nicht bereit für eine Ehe, die nur durch den Tod geschieden wird, vielleicht ist man nur wenig religiös oder heiratet bereits zum zweiten oder dritten Mal. Aktuelle Forschungen haben allerdings gezeigt, dass eine kirchliche Trauung den Bestand einer Ehe positiv beeinträchtigen kann. Die kirchliche Heirat schweißt das Paar fester zusammen – sei es, weil sie religiöser sind oder sich vor der Kirchengemeinde füreinander entschieden haben und deswegen ihrem Wort besonders verpflichtet fühlen.

Ehevertrag – bloß nicht!

Der Abschluss eines Ehevertrags kann ja nicht so schlecht sein, schließlich gibt er einem Sicherheit und regelt im Ernstfall vor allem die finanziellen Verhältnisse. Der Ehevertrag ist aber ein kleines, fieses Monster, das schon zu Beginn einer Ehe an der vollkommenen Hingabe zur Beziehung nagt. Schließlich sichert man sich ab, wenn es mal schiefgeht. Dass man überhaupt daran denkt, wenn man einen Bund fürs Leben schließt, mag in der heutigen modernen Zeit angemessen – oder gar schlau – sein. Aber der Ehevertrag wirkt sich unglaublich negativ auf die Dauer einer Ehe aus. Die Gründe können vielfältig sein: Nicht nur das Misstrauensmonster, das jedes Mal ein fieses Grinsen im Gesicht hat, wenn es wieder Streit gibt, sondern auch die Tatsache, dass der Verlust für zumindest einen Partner nicht allzu groß ausfällt, wenn er sich scheiden lässt. Dem Ehevertrag sei Dank!

Kinder sind ein Segen

Kinder sind das Heilmittel für jede Beziehung. Das ist kein Irrglaube. Wenn ein Paar ein Kind bekommt, so wirkt sich dies positiv auf die Dauer der Beziehung aus. Dies gilt auch für Schwangerschaften, die bereits vor der Eheschließung bestehen. Ein gemeinsames Kind bringt gemeinsame Verantwortung. Dies führt dazu, dass man für dieses Kind seine eigenen Befindlichkeiten hinten anstellt. Die Beziehung steht nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die Familie. Eine Scheidung brächte auch zusätzliche Probleme wie Unterhalt und getrennte Erziehung mit sich. Diese Kosten werden nur ungern in Kauf genommen und senken das Scheidungsrisiko. Weitere Kinder wirken sich allerdings nicht mehr auf die Dauer der Ehe aus. Die subjektiv empfundenen Kosten und Verpflichtungen wachsen wohl mit einer wachsenden Kinderschar nicht weiter an.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet …

… ob sich nicht etwas Besseres findet. Die Frage, ob man Alternativen zum derzeitigen Partner hat, ist durchaus sehr entscheidend bei der Frage, ob eine Ehe Bestand hat. Wenn ein Ehepaar in einer Großstadt lebt, steht es mit der Dauer der Beziehung weitaus schlechter als in einem kleinen Dorf. Denn an jeder Ecke lockt ein neues Leben mit einer anderen, geheimnisvollen, attraktiven Person. Sicher ist auch die Mentalität in der Großstadt anders als auf dem Land und man wird weniger von seinen Nachbarn beobachtet oder für eine Scheidung verurteilt. Wenn die Ehefrau zudem auch noch erwerbstätig ist und demnach mehr potentielle Partner kennen lernen kann, gefährdet auch dies die Ehe in besonderem Maße. Die finanzielle Abhängigkeit vom Mann ist natürlich beim Scheidungsrisiko auch nicht außer Acht zu lassen. Doch ein hübscher Mann, der der Frau schöne Augen macht, ist dennoch ein besserer Garant für eine schnelle Scheidung. Und den lernt sie – genauso wie ihr Mann – immer noch in einem abwechslungsreichen, berufstätigen Leben in der Stadt kennen.

Es geht doch immer nur ums Geld!

Paare, die sich einen Haushalt teilen und ein vergleichbar hohes Einkommen haben, führen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit eine längere Beziehung als Paare, in deren Beziehung ein Lohngefälle vorherrscht. Dies könnte daran liegen, dass beide gleichermaßen in die Beziehung investieren und sich keiner der beiden ausgenutzt fühlen muss. Ebenso kann es aber auch sein, dass in einer Beziehung, in der beide Partner sich finanziell gleichermaßen einbringen, weniger Streit über Ausgaben entsteht. Bei gemeinsamem Eigentum (z.B. Wohneigentum) sieht die Situation ähnlich aus. Hier würde eine Trennung nur Probleme mit sich bringen. Deswegen wirken solche Faktoren als Hindernis für eine Scheidung. Das Scheidungsrisiko sinkt auch hier. Wenn es also ums finanzielle geht, sind wir letztendlich taktische Denker. Wenn die Kosten den Nutzen einer Schidung überwiegen, bleiben wir lieber in einer Ehe – auch wenn wir sie womöglich gar nicht mehr wollen oder unglücklich sind.

Ein unverblümter Blick auf die Ehe

Der klare Blick auf das Konzept „Ehe“ zeigt, dass eine Ehe nicht das ist, was uns die Märchen oder die Liebesfilme erzählen wollen. Eine langfristige Ehe ist nicht zwangsläufig auf großer Liebe und Zufriedenheit aufgebaut. Wenn sich erstmal der Alltag eingeschlichen hat, rückt der eigene Vorteil wieder mehr in den Vodergrund. Niemand möchte seine soziale Stellung verlieren oder finanziellen Schaden nehmen. Deswegen lauten die insgeheimen Fragen nicht „Liebe ich sie/ihn noch? Bin ich noch glücklich?“ sondern „Ist es mir das wert? Will ich diese Nachteile in Kauf nehmen?“ Dies mag nicht für jede Ehe gelten. Aber eines steht fest: Will man einen Partner ewig an sich binden, sollte man auf Faktoren wie Religiosität, Kinder und Finanzen setzen, nicht auf Liebe – denn diese ist vergänglich.

 

Quellen:

Ishizuka, Patrick (2018): The Economic Foundations of Cohabiting Couples’ Union Transitions. In: Demography (55), S. 535–557.

Wagner, Michael; Weiß, Bernd(2003): Bilanz der deutschen Scheidungsforschung. Versuch einer Meta-Analyse. In: Zeitschrift für Soziologie (32), S. 29-49.