Was Ihr Hund über Sie weiß

Hund und Frau

Die Fähigkeit, uns selbst und anderen Kognitionen und Wissen zuzuschreiben, sich in die Gedankenwelt eines anderen Lebewesens hineinzuversetzen, wird als Theory of mind bezeichnet. Die Empathie ist ihr emotionales Pendant. Beide sind maßgeblich für unser Verständnis von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl – für jene Eigenschaften, die wir mit Menschlichkeit verknüpfen. Beim Menschen äußert sich das für uns selbstverständliche Verständnis der Theory of mind mit etwa sechs Jahren. Doch wie sieht es mit Tieren aus? Können Tiere sich in unsere Gedanken hineinversetzen? Können Sie erahnen, was wir wissen und welche Informationen uns womöglich fehlen?

Piaget zeigte erstmals in seinem Experiment zum Drei-Berge-Problem, dass Kinder in diesem Alter die Sichtwiese anderer Personen nachvollziehen können. Inhalt des Experiments ist eine Szenerie mit drei Bergen, vor der das Kind steht und diese zunächst von seiner eigenen Sichtweise beschreiben soll und danach von einer anderen, z.B. entgegengesetzten. Bei jüngeren Kindern zeigte sich, dass sie für jede Perspektive die eigene Sichtweise wählten. Erst ab etwa sechs Jahren verstanden die Kinder, dass Personen an anderen Standorten verschiedene Sichtweisen auf dieselbe Szenerie haben.

Weitere Experimente verwenden verschiedene Puppen in einem Puppenzimmer, von denen meist eine das Geschehen verlässt und die anderen einen besonderen Gegenstand in einen Puppenschrank verstauen. Das Kind, die Versuchsperson, beobachtet die ganze Zeit das Geschehen. Es wird nach der Rückkehr der ersten Puppe gefragt, wo diese nach dem Gegenstand sucht. Es wird also untersucht, ob das Kind versteht, dass andere Personen, oder Puppen, andere Kenntnisse haben, als es selbst. Jüngere Kinder nehmen an, dass die Puppe in dem Puppenschrank suchen wird, obwohl die Puppe gar nicht wissen kann, dass der Gegenstand sich dort befindet.

Diese Art von Experiment war die Vorlage für ein faszinierendes Experiment zur Frage, ob Hunde ein Verständnis von der Theory of mind haben. Besonderes Augenmerk lag hier vor allem auf der Interaktion mit Menschen. In dem Experiment spielte der Hundehalter mit seinem Hund Ball. Er legte den Ball immer wieder in eine Truhe, bis der Hund vor der Truhe bettelte und damit zeigte, dass er weiter spielen wolle. Nach ein paar Episoden, legte der Hundehalter den Ball wieder in die Truhe und verschloss diese diesmal aber mit einem Schlüssel, den er an einer anderen Stelle versteckte. Der Hundehalter verließ den Raum und eine andere Person trat ein. Würde der Hund weiter vor der Truhe betteln, obwohl die neue Person das Versteck des Schlüssels nicht kannte?

Nein.

Es zeigte sich, dass die Hunde zunächst am Schlüsselversteck bettelten. Dies kann als klarer Beleg der Theory of mind bei unseren geliebten Vierbeinern angesehen werden, da sie verstanden haben, dass verschiedene Personen über einen unterschiedlichen Wissensstand verfügen.

Ihr Hund weiß also vielleicht mehr über Sie, als Sie bisher gedacht haben.

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