Empathische Hunde

Hundewelpen

Empathie ist das Vermögen, sich in andere einzufühlen. Diese Fähigkeit hilft uns bei sozialen Interaktionen und könnte auch maßgebliche Motivation für prosoziales Verhalten sein. Man ging früher davon aus, dass nur Menschen Empathie empfinden können, auch wenn es für Haustierhalter stets selbstverständlich war, verschiedene Verhaltensweisen ihrer vierbeinigen Mitbewohner auf empathisches Mitgefühl zurückzuführen.

Verschiedene Forscher konnten in den letzten Jahren zeigen, dass Empathie anscheinend auch bei Säugetieren zu finden ist. Langford und seine Kollegen untersuchten Mäuse und fanden heraus, dass diese stärker auf Schmerz reagierten, wenn andere Käfiginsassen auch Schmerzen zugefügt bekamen. Dabei war allerdings erstaunlich, dass sie diese Reaktion nur bei vertrauten und nicht fremden Mäusen zeigten.

Doch wie steht es mit dem besten Freund des Menschen? In einem Experiment von Jones & Josephs zeigten Hunde negative Gefühle, wenn ihr Herrchen oder Frauchen gestresst war. Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass Hunde zu empathischen Gefühlen fähig sind. Als sicherer Prädiktor für Empathie gilt aber das ansteckende Gähnen, ein Gähnen, das Menschen als Reaktion auf ein anderes gähnendes Lebewesen zeigen.

Joly-Mascheroni, Senju und Shepherd von der Londoner Universität führten eine Studie an 29 Hunden durch, von denen 12 weiblich und 17 männlich waren. Das Durchschnittsalter der Hunde lag bei 6,4 Jahren. Es wurde dafür gesorgt, dass die Hunde vor dem Experiment eine Mahlzeit und einen Spaziergang hatten. Es wurden zwei Bedingungen durchlaufen. In der einen erlangte der Versuchsleiter die Aufmerksamkeit des Hundes, indem er seinen Namen nannte und ihn mit einem Leckerli anlockte. Sobald der Hund ihn anblickte, gähnte der Versuchsleiter mehrfach. In der anderen Bedingung war das Verhalten identisch, abgesehen vom Gähnen, das durch Mundöffnen ohne Gähnen ersetzt wurde. Diese zweite Bedingung war die Kontrollgruppe. In beiden Bedingungen bekam der Hund kein Feedback zu seinem Verhalten. Die Reihenfolge der Bedingungen wurde abgewechselt. Das Verhalten des Hundes wurde aufgenommen und die Gähner von einer unabhängigen Person gezählt.

Es zeigte sich, dass das Gähnen des Versuchsleiters bei 21 der 29 Hunde zu einer Gähnreaktion führte und keiner der Hunde in der Kontrollgruppe gähnte. Auch zwischen den beiden Testintervallen gähnten die Hunde nicht. Dieses Experiment konnte als erstes zeigen, dass das ansteckende Gähnen nicht nur bei Primaten zu finden ist. Weiterhin war es auch ein Beweis dafür, dass diese Form des Gähnens auch bei Tieren zwischen verschiedenen Spezies funktioniert. Ihnen wird sicherlich auch schon aufgefallen sein, dass Sie gähnen müssen, wenn Sie einen Löwen oder Schimpansen im Fernsehen oder Zoo gähnen sehen.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Hunde möglicherweise empathiefähig sind. Hunde- und Katzenbesitzer dürften sich darüber freuen, dass es nun auch auf wissenschaftlicher Seite Evidenz für ihre Überzeugung, dass ihre geliebten Vierbeiner auf ihre Stimmungen reagieren, gibt.

 

Quellen:

Langford, D. J.; Crager, S. E.; Shehzad, Z.; Smith, S. B.; Sotocinal, S. G.; Levenstadt, J. S.; Chanda, M. L.; Levitin, D. J. & Mogil, J. S. (2006): Social modulation of pain as evidence for empathy in mice. In: Science (312), S. 1967–1970.

Jones, A. C. & Josephs, R. A. (2006): Interspecies hormonal interactions between man and the domestic dog (Canis familiaris). In: Hormones and Behaviour (50), S. 393–400.

Joly-Mascheroni, R.; Senju, A. & Shepherd, A. J. (2008): Dogs catch human yawns. In: Biology Letters (4), S. 446–448.

Harr, A. L.; Gilbert, V. R. & Phillips, K. A. (2009): Do dogs (Canis familiaris) show contagious yawning? In: Animal Cognition (12), S. 1435–1448.

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